Rezension: „Im Reich der Pubertiere“ von Jan Weiler

Zum Inhalt:

Seit „Das Pubertier“ – dem ersten Band der Reihe, ist einige Zeit vergangen. Mittlerweile ist nicht nur Tochter Carla in der Pubertät, sondern auch sein Sohn Nick ist zu einem waschechten Pubertier geworden. Das bedeutet doppelter Spaß….

Meine Meinung: Ich habe den ersten Band ja vor einigen Wochen gelesen und habe den zweiten Band nun als Hörbuch gehört. Das Hörbuch besteht aus Livemitschnitten von verschiedenen Lesungen und die Lesung toppt definitiv das Vergnügen, das ich beim Lesen von Band 1 bereits empfunden habe. Er hat eine sehr sympathische Erzählstimme, man kann ihm sehr gut zuhören. Der Autor erzählt so liebevoll und lustig von seinen Kindern, dass man aus dem Schmunzeln und Lachen nicht mehr rauskam. Und vor allen Dingen erkennt man sich selbst und seine eigenen Kinder an der ein oder anderen Stelle wieder. Und wie auch schon im ersten Band, zeigt es mir ganz deutlich, dass die spannende Zeit der Pubertät vermutlich am besten mit jeder Menge Humor zu nehmen ist. Anders wird es wohl nicht funktionieren, dieses Chaos unbeschadet zu überstehen….

Das Hörbuch besteht aus 2 CD’s und ist beim Hörverlag erschienen.

Die Gesamtlaufzeit beträgt ca. 103 Minuten. Weitere Informationen zum Hörbuch findet Ihr hier.

FAZIT: 10 von 10 Sternen!

Rezension: „Fünf Tage die uns bleiben“ von Julie Lawson Timmer

Zum Inhalt

Mara ist eine erfolgreiche Anwältin, Mutter einer kleinen Adoptivtochter und glücklich verheiratet mit der großen Liebe ihres Lebens. Zuerst schiebt sie es auf den Stress, als sie anfängt, Dinge zu vergessen. Doch es wird nicht schlimmer, im Gegenteil: immer öfter vergisst sie auch sehr wichtige Dinge…

Irgendwann kann Mara es nicht mehr leugnen: irgendetwas stimmt nicht mit ihr. Die Diagnose zieht ihr den Boden unter den Füßen weg: Chorea Huntington. Doch Mara will sich ihr Leben nicht von der Krankheit diktieren lassen, sie beschließt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Treten bestimmte Symptome auf, wird sie ihr Leben selbstbestimmt an ihrem nächsten Geburtstag beenden. In fünf Tagen ist es soweit. Mara beginnt Abschied von ihren Lieben zu nehmen. Doch wie verabschiedet man sich von den Menschen, die man über alles im Leben liebt?

Meine Meinung:

Ich finde es gerade etwas knifflig, meine Meinung zu diesem Buch in Worte zu fassen. Der Schreibstil ist gut, die Geschichte ist flüssig geschrieben, man findet gut in die Geschichte rein. Das Cover ist wunderschön gestaltet.

Es geht im Buch nicht ausschließlich um Mara und ihre Familie, ein zweiter Handlungsstrang handelt von einem jungen Pärchen namens Scott und Laurie, die für ein Jahr ein Kind aus desolaten Familienverhältnissen aufnehmen. Mara und Scott verbindet eine Emailfreundschaft aus einem Forum für Eltern, die ihre Kinder nicht auf natürlichem Weg bekommen haben. Die beiden tauschen sich nachts oft aus.

Mara war vor der Diagnose eine Karrierefrau. 70 Stunden pro Woche im Büro waren keine Seltenheit. Die kleine Lakshmi wird nach der Schule meist von den Großeltern betreut. Mara – immer unabhängig – eine Powerfrau, hat große Probleme damit, sich damit abzufinden, plötzlich sehr oft Hilfe von anderen Menschen zu benötigen. Und bevor es dazu kommt, dass sie tatsächlich wirklich und endgültig auf andere Menschen angewiesen ist – fremdbestimmt – beschließt sie, die Krankheit nicht gewinnen zu lassen und selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden. In den nächsten 5 Tagen organisiert sie, nimmt Abschied von Freunden und Familie, ohne dass diese wissen, dass es ein Abschied ist. Und sie hadert mit ihrer Entscheidung, ob es richtig ist, zu gehen, ihren Mann und ihre kleine, über alles geliebte Tochter jetzt schon zurückzulassen.

Doch so sehr die Geschichte auch ans Herz geht, so grausam das Schicksal ist, das Mara und ihre Familie erwartet– ich bin mit Mara leider nicht wirklich warm geworden und konnte mich kaum in sie hineinversetzen beim Lesen. Es fühlte sich immer irgendwie distanziert an.

FAZIT: 6 von 10 Sternen.

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier auf der Seite von Bastei Lübbe

Rezension: „Der letzte Überlebende“ von Sam Pivnik

Zum Inhalt: Sam ist 13 Jahre alt – ein glücklicher jüdischer Junge, der in dem polnischen Dorf Bedzin mit seinen Eltern, seinen Geschwistern und seiner Großmutter lebt.

Doch plötzlich ist es mit der Idylle vorbei. Die SS marschiert in Oberschlesien ein. Nach einer kurzen, chaotischen Zeit zwischen Hoffen und Bangen werden Sam und seine Familie nach Ausschwitz-Birkenau deportiert…

Meine Meinung:

Ich habe sehr lange gebraucht, um die 280 Seiten zu lesen. Immer wieder musste ich innehalten, eine Pause machen, das Buch zur Seite legen.

Sam Pivnik erzählt die Geschichte seines Lebens und die seiner Familie. Er erzählt von den begangenen Grausamkeiten der SS, dem menschenunwürdigen Leben im Konzentrationslager, den täglichen Selektionen, den willkürlichen Morden und dem systematischen Massenmord an unzähligen Menschen. Die Grausamkeit dieser Zeit ist in jedem Wort, auf jeder Seite zu spüren.

Er erzählt seine Geschichte sehr sachlich, es wirkt ein wenig distanziert. Das ist keine Wertung meinerseits, ich glaube, dass man diese Erlebnisse nur so überhaupt erzählen kann, denn sonst würden einen die Erinnerungen vermutlich erdrücken.

 „Ich kann nur hoffen, dass ihr jemand aus dem Zug und auf den Bahnsteig half. Dass ihr jemand half, sich auszuziehen. Und vor allem hoffe ich, dass jemand ihre Hand hielt, als sie starb“ – Seite 244

Das Buch geht unter die Haut und lässt nicht los. Auch wenn ich schon viele Bücher zum Thema Holocaust gelesen habe und mich häufiger mit der Thematik beschäftige, lässt mich dieses Buch fassungslos zurück.

Ich werde hier weder den Schreibstil, noch sonst irgendetwas bewerten, das steht mir nicht zu.

Das Buch ist ein Mahnmal gegen das Vergessen. Ich kann es Euch nur ans Herz legen.

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier auf der Seite vom Theiss Verlag.

Rezension: „Die letzte Haltestelle“ von Sharon E. McKay

Zum Inhalt: Amsterdam 1942. Die kleine Beatrix und ihre Mutter sind Juden und fliehen vor der SS. Doch die Flucht gelingt nicht. Beatrix Mutter wird bei einer Kontrolle in der Straßenbahn erwischt und verhaftet. Beatrix bleibt zurück. Die beiden älteren Brüder Lars und Nils – Straßenbahnfahrer und Kontrolleur – beschließen, das kleine Mädchen vor der SS zu verstecken und ihm so das Leben zu retten….

Meine Meinung:

Ich habe bisher viel Literatur über den Holocaust und die Judenverfolgung gelesen, so dass ich sehr gespannt war, wie das Kinderbuch umgesetzt worden ist. Es ist für Leser ab 9 Jahren angedacht und ich muss sagen, die Geschichte ist so kindgerecht erzählt, dass ich es für 9jährige Kinder auf jeden Fall empfehlen kann. Das Buch hat relativ große Schrift und ist mit vielen Bildern versehen, die jedoch nicht düster oder beklemmend wirken. Das Grauen dieser Zeit wird erzählt, ohne allzu detailliert auf die begangenen Grausamkeiten im Einzelnen einzugehen, so dass die jungen Leser beim Lesen keine Angst bekommen, aber durchaus ein Stückweit erfahren, was damals passiert ist.

Ein großes trauriges Stück Zeitgeschichte – für Kinder erzählt. Eine Erinnerung an eine schlimme Zeit und daran, dass es Menschen gegeben hat, die bereit waren, ihr Leben zu riskieren, um ein anderes Leben zu retten….

Mein FAZIT: 10 von 10 Sternen

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier.

Ich bedanke mich herzlich bei der Random House Verlagsgruppe, dass ich dieses Buch lesen durfte.

 

Rezension: „Chosen: Die Bestimmte“ von Rena Fischer

Zum Inhalt: Nach dem Tod ihrer Mutter wird Emma überraschend von ihrem bislang ihr unbekannten Vater nach Irland geholt. Dort soll sie auf das Elite-Internat Sensus Corvi gehen. Schon kurz nach ihrer Ankunft stellt sie fest, dass es sich auf keinen Fall um ein gewöhnliches Internat handelt. Alle Schüler haben irgendwelche geheimnisvollen Fähigkeiten. Bislang hat Emma ihre Fähigkeit geheim gehalten. Sie ist eine Emotionentaucherin und kann die Gefühle anderer Personen spüren. Bei einem Test, der ihre Fähigkeiten einschätzen soll, stellt sich heraus, dass in Emma ungeahnte Talente schlummern.

Ihr wird Aidan als Primus zur Seite gestellt. Emma fühlt sich zu Aidan hingezogen und ihm scheint es ähnlich zu gehen…. Langsam fängt es an, Emma bei Sensus Corvi zu gefallen.

Doch dann trifft Emma Jared. Jared war ebenfalls Schüler bei Sensus Corvi und ist jedoch aufgrund einiger Vorfälle zu den „Falken“ gewechselt – einer Organisation, die Sensus Corvi zerstören will und die versucht, Emma zu ihre Zwecke zu gewinnen.

Emma ist verwirrt. Wem kann sie noch trauen?

Meine Meinung:

Es handelt sich bei der Geschichte um den ersten Band. Der Schreibstil ist wunderbar leicht zu lesen, der Geschichte ist gut zu folgen. Die Geschichte wird aus Emmas Sicht erzählt, die Kapitel sind relativ kurz gehalten. Die Erzählsequenzen, die von Emma Mutter erzählen, sind wunderbar durch ein blasses Grau als Schriftfarbe abgegrenzt, so dass dem Leser immer bewusst ist, dass er jetzt für einen kurzen Augenblick in der Vergangenheit verweilt.

Ich mochte sowohl Emma, als auch Aidan und Jared. Ich hätte bei den beiden Jungs nicht sagen können, welchen ich lieber mag. Emma fand ich sehr glaubwürdig dargestellt, ich konnte mich beim Lesen sehr gut in sie hineinversetzen. Gerade die Unsicherheit, wem sie überhaupt trauen kann, war sehr gut spürbar und es wäre mir oft ähnlich gegangen an ihrer Stelle.

Das Buch hat für meinen Geschmack alles was ein gutes Jugendbuch braucht: starke und sympathische Protagonisten, finstere undurchschaubare Gegenspieler, eine spannende Story und ganz viel Magie.

Der zweite Band „Das Erwachen“ erscheint voraussichtlich im Juni 2017.

FAZIT: 8 von 10 Sternen

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier auf der Seite vom Thienemann Esslinger Verlag.

Rezension: „Tabu: Eigentum des Lehrers“ von Lisa Skydla

Zum Inhalt: Die 18jährige Sarah hat es seit dem Unfalltod ihrer geliebten Eltern nicht leicht. Zwar ist sie finanziell abgesichert, doch das Wichtigste, nämlich Liebe und Zuwendung fehlen ihr. Durch die Trauer um ihre Familie hat sie ihr Abitur nicht geschafft und wiederholt nun die Klasse. Oft wird sie von ihren Klassenkameraden gemobbt. Ihr Englischlehrer Patrick Olsen versucht ihr zu helfen, doch Sarah lässt ihn nicht wirklich an sich heran.

In ihrer verzweifelten Suche nach Liebe gerät sie an Peter, einen älteren Dom, der jedoch nicht auf Sarahs Sehnsüchte und Wünsche eingeht, sondern nur seine speziellen und sadistischen Gelüste an ihr ausleben will. An einem Abend im Club eskaliert die Situation und Peter überschreitet mit Absicht sämtliche von Sarah gesteckten Grenzen. Zufälligerweise ist Patrick anwesend und nimmt Sarah mit zu sich nach Hause. Die beiden verlieben sich ineinander und es entsteht eine wunderbare Dom/Sub-Beziehung mit Achtung, Hingabe und Liebe. Beide wissen jedoch, dass diese Beziehung niemals ans Licht kommen darf…. Ein Spiel mit dem Feuer beginnt.

Meine Meinung: Ich habe Lisa Skydla auf der Buchmesse in Leipzig kennengelernt und mich mit ihr wunderbar unterhalten. Als ich sie nach einer Buchempfehlung ihrer Bücher gefragt habe, hat sie mir „Tabu“ empfohlen. Im Bus auf der Rückfahrt wollte ich eigentlich nur ganz kurz reinschuffeln und – was soll ich sagen – ich habe nach 250 Seiten aufhören müssen, weil wir wieder in Braunschweig angekommen waren (und es im Auto auf dem letzten Stück der Heimfahrt einfach zu Dunkel zum Lesen war)…

Die Geschichte ist wunderbar geschrieben. Sie ist romantisch und definitiv etwas für das Herz. Die erotischen (S/M-)Szenen sind ansprechend, in einer wunderbaren Sprache und keineswegs plump. Mag sein, das für den ein oder anderen Leser die Geschichte „Lehrer verliebt sich in Schülerin“ zu sehr Klischee ist, aber ganz ehrlich: das tut der Geschichte definitiv keinen Abbruch, nein, es passt wunderbar zu den sympathischen Charakteren, die ich übrigens alle (außer den garstigen Peter!!!) in mein Herz geschlossen habe.

Der einzige Kritikpunkt, den ich – wenn überhaupt – anmerken würde: Gegen Ende hin war ich ein wenig von der Wendung überrascht (ich kann da jetzt nicht näher drauf eingehen, denn dann würde ich spoilern…) und ich hätte mir gewünscht, dass Patrick eine andere Lösung findet, zumal ich von seiner Entscheidung direkt nach Weihnachten sehr überrascht war.

Wenn man romantische Liebesgeschichten mit S/M-Elementen mag, dann ist dieses Buch genau richtig. Ich würde sagen, dass es nach dem Lesen definitiv zu meinen liebsten Büchern dieses Genres gehört.

Liebe Lisa, vielen Dank für diese Buchempfehlung, ich werde bestimmt noch mehr Bücher von Dir lesen!!!!

FAZIT: 10 von 10 Sternen!

Informationen zu den Büchern von Lisa Skydla findet Ihr hier.

Monatsrückblick: März 2017

Wow, das erste Vierteljahr ist rum, der Frühling hat endlich Einzug gehalten und draußen wird alles grün.

Das Highlight des Monats war natürlich die Buchmesse in Leipzig. Meinen Messebericht findet Ihr hier.

Gelesen habe ich eher wenig, durch den anstehenden Schulwechsel im Sommer meiner Tochter war der März auch geprägt von Informationsveranstaltungen und diversen Elternabenden, so dass ich abends relativ oft unterwegs war.

Ich habe nur 6 Bücher gelesen (Seitenanzahl 1.694), kein Buch hatte mehr als 400 Seiten. Mein bisher schlechtester Lesemonat, aber ich gelobe Besserung…. Wird ja hoffentlich bald ruhiger, Ostern steht ja auch vor der Tür und Osterferien/Urlaub auch. Da habe ich hoffentlich ganz viel Zeit zum Lesen. Zumal sich jetzt hier auch wirklich jede Menge toller Bücher angesammelt, die unbedingt gelesen werden wollen.

Mein Lesehighlight war definitiv „Der Club der letzten Wünsche“ von Tamy Fabienne Tiede, dicht gefolgt von „The sun ist also a star“ von Nicola Yolen. Beide Bücher kann ich Euch absolut empfehlen.

Meine Neuzugänge:

dav

van Groningen, Merel Und plötzlich gehörst Du ihm
Bühre, Paul Teenie Leaks
Gaarder, Jostein Das Orangemädchen
Raabe, Melanie Die Falle
Yoon, Nicola The sun is also a star
McKenzie, Paige Sunshine Girl 01 – Die Heimsuchung
Vyleta, Dan Smoke
Weiler, Jan Das Pubertier
Fischer, Rena Chosen 01 – Die Bestimmte
von Kürthy, Ildiko Sternschanze
Rees, Celia Hexenkind
Rees, Celia Hexenschwestern
Skydla, Lisa Tabu – Eigentum des Lehrers
Smith, Dominic Das letzte Bild der Sara de Vos
Scheeler, Ulla Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen
Green, Samantha, J. Faithful – Gefangene Liebe
Rabisch, Birgit Wir kennen uns nicht
Krock, Jeanine Venuspakt
Krock, Jeanine Die Sternseherin
Weiler, Jan Im Reich der Pubertiere
McKay, Sharon E. Die letzte Haltestelle
Van Booy, Simon Mit jedem Jahr

So, das war mein Monatsrückblick. Kennt Ihr eines der Bücher? Wenn ja, wie hat es Euch gefallen? Was sind Eure Neuzugänge?

Liebe Grüße

Nicole

 

 

 

Rezension: „Wir kennen uns nicht“ von Birgit Rabisch

Zum Inhalt: Lena Löper ist eine erfolgreiche Schriftstellerin gewesen. Und Feministin. Sie veränderte mit ihren Büchern die Welt der Frauen und das allgemeingültige Frauenbild. Zeigte, dass man nicht so sein muss, wie einen das Patriachat haben möchte. Sondern Erfolgreich. Unabhängig. Ihre Meinung und ihre Empfindungen verarbeitete sie in ihrem fiktiven Charakter Lara und wurde damit berühmt. Anderes blieb dabei auf der Strecke. Die Beziehung zu ihrer Tochter Ariane zum Beispiel. Doch nun ist sie alt und ihre Karriere ist längst vorbei. Einsam ist es in ihrem großen Haus geworden.

Verhaltensforscherin Ariane Löper fühlt sich unverstanden. Schon seit ihrer Kindheit hat sie das Gefühl für ihre Mutter, die erfolgreiche Schriftstellerin Lena Löper, niemals gut genug zu sein. Immer nur Klotz am Bein. Ungeliebt. Doch nun bekommt sie selbst ein Kind und immer wieder blitzt die Erinnerung an ihre Mutter auf…

Meine Meinung:

„Wir kennen uns nicht“ – der Titel passt definitiv zu dieser Erzählung. Ariane und Lena – zwei starke Frauen. Eigentlich untrennbar miteinander verbunden und doch durch so viel getrennt.

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: aus der Sicht Lenas, die von jeher das Gefühl hat, keinen Zugang zu ihrer Tochter zu bekommen. Und aus der Sicht Arianes, die als Kind um die Liebe ihrer Mutter kämpfte, bis sie irgendwann beschlossen hat, sich nicht mehr vergeblich abzumühen.

Das Buch hat mich sehr berührt. Jede der beiden Frauen ist so gefangen in ihrer Annahme, dass sie der anderen nichts bedeutet. Und beide interpretieren in jedwede Aussage (die eigentlich nur aus Eigenschutz so schroff und abweisend geäußert werden) sofort eine Ablehnung hinein. Dabei würde eigentlich jede der beiden Frauen sich über ein Zeichen der Zuneigung freuen. Doch keine der Beiden ist bereit, das Risiko einzugehen und mit einer möglichen Zurückweisung zu leben.

Das Buch zeigt deutlich, welche dramatischen Konsequenzen fehlende Kommunikation in Beziehungen haben kann. Und das sich daraus ein Teufelskreis entwickelt, aus dem man nur sehr schwer wieder herausfindet. Zu tief sitzen die Verletzungen und zu weit haben sich der Groll und die Wut entwickelt. Zu groß ist die Angst davor, zurückgewiesen zu werden.

Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, so ein Verhältnis zu einem meiner Kinder zu haben. Oder zu meiner Mutter. Das Buch ist mir nahegegangen, ich konnte es nach den ersten Seiten kaum aus der Hand legen. Der Schreibstil ist offen, ehrlich und direkt. Die Autorin versteht es, die verschiedenen Orte und die Erinnerungen der Protagonisten auf eine anschauliche und lebendige Weise dem Leser nahezubringen.

Weitere Informationen findet Ihr hier auf der Seite vom Duotincta Verlag

#LBM 2017 – Messebericht

Ja, ich weiß, ich bin spät dran mit meinem Bericht über die Leipziger Buchmesse, aber besser spät als nie….

Dieses Jahr  war ich – genau wie im Vorjahr – am Samstag auf der Messe. Gefahren bin ich wieder mit meiner Lieblingsbuchhandlung Graff. Jedes Jahr bietet Graff diese Busreise an, die jedes Mal total super ist. Morgens um halb sieben ging es los. Wir sind ziemlich gut durchgekommen und waren pünktlich vor Messestart in Leipzig – trotz ausgiebiger Frühstückspause.

Es war ja mein zweiter Besuch auf der Buchmesse und ich war schon ganz gespannt, wie sich meine Eindrücke und Erlebnisse vom Vorjahr unterscheiden würden. Dieses Jahr hatte ich auch so einiges auf dem Zettel, was ich mir unbedingt anhören / anschauen wollte.

Zuerst ging es zu einer Lesung von Birgit Rabisch, die aus ihrem aktuellen Buch „Wir kennen uns nicht“ gelesen hat. Nach der Lesung hatte ich noch die Gelegenheit mit ihr zu plaudern und mir das Buch „Duplik Jonas 7“ signieren zu lassen, was schon seit Urzeiten (natürlich gelesen) in meinem Regal steht und nun nochmal neu überarbeitet wird und auch verfilmt werden soll. Ich bin gespannt.

Direkt im Anschlass fand eine sehr, sehr unterhaltsame Poetry-Slam-Lesung statt. Ich muss gestehen, dass ich die Autorennamen vergessen habe. Aber, oh mann, war die Darbietung gut. Echt klasse gemacht.

Momentan nehme ich bei Lovelybooks bei der Leserunde von „Chosen – Die Bestimmte“ von Rena Fischer teil und ich hatte das Glück, die liebe Rena kennenzulernen. Was soll ich sagen – ich finde sie sehr, sehr nett und freue mich echt, dass ich sie kennenlernen durfte.

Danach ging es zum Lovelybooks Leser- und Bloggertreffen, wo ich Mona vom Tintenhain und Manuela getroffen habe. Das Highlight beim Treffen war das Interview mit Anne Freytag. Und auch hier hatte ich das Glück, mir mein Exemplar von „Mein bester letzter Sommer“ signieren lassen zu können.

 

 

 

 

 

 

 

Von dort aus kämpften wir uns direkt zum Vorablesen-Treffen und der Lesung mit Marah Woolf. Das aktuelle Buch von ihr besitze ich zwar leider nicht, aber die Gelegenheit für das Foto und signieren einer Leseprobe von „Götterfunke“ konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Mittlerweile voll bepackt war mein Programmzettel dann leer und ich habe mich noch ein wenig durch die Hallen tragen lassen. Und dann habe ich mir tatsächlich sogar noch zwei Bücher gekauft – dabei hatte ich mir fest vorgenommen, kein Buch zu kaufen. Aber Samantha J. Green und Lisa Skydla waren so nett und wir haben uns so wunderbar unterhalten, so dass ich mir von beiden jeweils eines ihrer Bücher mitgenommen habe.

Das war ein schöner Tag und ich freue mich jetzt schon auf die Buchmesse in Leipzig vom 15. – 18.03.2018. Nächstes Jahr fahre ich vielleicht auch mal länger hin als nur am Samstag. Ich glaube, das ist eine sehr gute Idee….

 

 

 

 

 

Rezension: „The sun is also a star“ von Nicola Yoon

Zum Inhalt: Natasha ist verzweifelt. Sie, ihr kleiner Bruder Peter und ihre Eltern sollen noch heute Abend abgeschoben werden. Dabei lebt die gebürtige Jamaikanerin bereits seit ihrem 8ten Lebensjahr in New York. Als letzten Versuch, die drohende Abschiebung zu verhindern, geht sie an diesem Tag noch einmal zur Einwanderungsbehörde. Ein kleiner Hoffnungsschimmer tut sich auf, evtl. kann ein Anwalt ihr und ihrer Familie noch helfen. Auf dem Weg zum Anwalt wird Natasha fast von einem Auto überfahren. Daniel – ein siebzehnjähriger Amerikaner koreanischer Abstammung rettet ihr das Leben. Und obwohl Natasha keinesfalls an Liebe auf den ersten Blick glaubt, stellt diese Begegnung ihr gesamtes Weltbild auf den Kopf. Doch was für eine Chance hat diese Liebe schon?

Meine Meinung:

Wow, was für ein wunderbares Buch. Zunächst hatte ich ein paar Schwierigkeiten – war ich doch von den teilweise kurzen Kapiteln und den Sprüngen der Personen ein wenig irritiert. Doch schon nach einer kurzen Weile ist mir bewusst geworden, dass genau das zum Teil den Charme der Geschichte ausmacht.

Den größten Teil der Geschichte begleiten wir Natasha und auch Daniel. Natasha ist ein wenig – ich würde mal sagen – kratzbürstig, verzweifelt & traurig – denn so etwas wie Liebe auf den ersten Blick gibt es in ihrer Vorstellung einfach nicht. Sie ist durch und durch Wissenschaftlerin – jede Menge Zahlen und Fakten schwirren in ihrem Kopf umher. Und genau aus dem Grund fällt es ihr schwer, an so etwas wie Liebe, wie Schicksal, wie Seelenverwandtschaft zu glauben.

Ich mag Natasha, ich mag ihre Art, an die Berechenbarkeit von Dingen zu glauben, an Fakten, die mag ich sehr, weil ich sie so gut nachvollziehen kann. Berechenbarkeit von Dingen gibt einem eine gewisse Art Sicherheit.

Daniel ist das genaue Gegenteil. Ein Dichter, ein Poet, ein Freund des Denkens und der Wörter. Und eigentlich unglücklich. Denn seine Eltern – die in Amerika nie wirklich heimisch geworden sind – wollen unbedingt, dass er nach Yale geht, Medizin studiert, den ganz großen amerikanischen Traum lebt. Das ist nicht das was Daniel will. Eigentlich hat er an diesem Tag ein Vorstellungsgespräch für eine Yale-Empfehlung. Große Lust hat er keine und als das Schicksal ihm sozusagen Natasha vor die Füße kullert, beschließt er, diesen Tag einfach mal dem Schicksal zu überlassen und zu sehen, wohin es ihn führt. Und ich finde es bewundernswert, wie er nicht aufgibt, Natasha zu versuchen davon zu überzeugen, dass die Empfindungen, die beide spüren, echt sind – trotz der kurzen Zeit, die sie sich kennen.

Und wir begleiten ein Stück weit auch die Menschen, die an diesem Tag den Weg von Natasha und Daniel kreuzen. Und das ist etwas, was ich ungeheuer faszinierend an der Geschichte fand. Wie das Schicksal durch die ein oder andere Handlung seinen Weg findet und das Leben der Menschen verändert. Unheimlich spannend, das hat mich sehr zu Nachdenken angeregt.

Im Buch finden sich so wunderbare Textpassagen, die mein Herz berührt haben, ich mag den ein oder anderen Textschnipsel mit Euch teilen:

„Es ist schwer, jemanden zu lieben, der einen nicht zurückliebt“ – Seite 184

„Ihn zu berühren, ist Ordnung und Chaos – als würde man gleichzeitig zusammengesetzt und auseinandergenommen.“ – Seite 300

„All das soll nichts darüber aussagen, ob Jeremy Fitzgerald das Richtige getan hat oder das Falsche. Es soll lediglich aussagen: Liebe verändert immer alles. – Seite 344

„Natasha sagt nicht, was sie vermutet. Dass füreinander bestimmt sein nicht unbedingt für immer bedeuten muss“ – Seite 384

Ich habe diese Geschichte in mein Herz geschlossen und ich werde Euch keinesfalls etwas davon verraten, wie sie ausgeht. Ihr solltet sie auf jeden Fall lesen. Ein tolles Buch.

Ich mag Daniel und ich mag Natasha und ich persönlich glaube an das Schicksal – egal wie rational ich grundsätzlich bin.

Und natürlich interessiert mich jetzt: glaubt Ihr an Schicksal? Oder ist alles nur einfach Zufall?

FAZIT: 10 von 10 Sternen.

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier auf der Seite vom Dressler Verlag / Oetinger Verlag.