Rezension: „Der letzte Überlebende“ von Sam Pivnik

Zum Inhalt: Sam ist 13 Jahre alt – ein glücklicher jüdischer Junge, der in dem polnischen Dorf Bedzin mit seinen Eltern, seinen Geschwistern und seiner Großmutter lebt.

Doch plötzlich ist es mit der Idylle vorbei. Die SS marschiert in Oberschlesien ein. Nach einer kurzen, chaotischen Zeit zwischen Hoffen und Bangen werden Sam und seine Familie nach Ausschwitz-Birkenau deportiert…

Meine Meinung:

Ich habe sehr lange gebraucht, um die 280 Seiten zu lesen. Immer wieder musste ich innehalten, eine Pause machen, das Buch zur Seite legen.

Sam Pivnik erzählt die Geschichte seines Lebens und die seiner Familie. Er erzählt von den begangenen Grausamkeiten der SS, dem menschenunwürdigen Leben im Konzentrationslager, den täglichen Selektionen, den willkürlichen Morden und dem systematischen Massenmord an unzähligen Menschen. Die Grausamkeit dieser Zeit ist in jedem Wort, auf jeder Seite zu spüren.

Er erzählt seine Geschichte sehr sachlich, es wirkt ein wenig distanziert. Das ist keine Wertung meinerseits, ich glaube, dass man diese Erlebnisse nur so überhaupt erzählen kann, denn sonst würden einen die Erinnerungen vermutlich erdrücken.

 „Ich kann nur hoffen, dass ihr jemand aus dem Zug und auf den Bahnsteig half. Dass ihr jemand half, sich auszuziehen. Und vor allem hoffe ich, dass jemand ihre Hand hielt, als sie starb“ – Seite 244

Das Buch geht unter die Haut und lässt nicht los. Auch wenn ich schon viele Bücher zum Thema Holocaust gelesen habe und mich häufiger mit der Thematik beschäftige, lässt mich dieses Buch fassungslos zurück.

Ich werde hier weder den Schreibstil, noch sonst irgendetwas bewerten, das steht mir nicht zu.

Das Buch ist ein Mahnmal gegen das Vergessen. Ich kann es Euch nur ans Herz legen.

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier auf der Seite vom Theiss Verlag.

Rezension: „Die letzte Haltestelle“ von Sharon E. McKay

Zum Inhalt: Amsterdam 1942. Die kleine Beatrix und ihre Mutter sind Juden und fliehen vor der SS. Doch die Flucht gelingt nicht. Beatrix Mutter wird bei einer Kontrolle in der Straßenbahn erwischt und verhaftet. Beatrix bleibt zurück. Die beiden älteren Brüder Lars und Nils – Straßenbahnfahrer und Kontrolleur – beschließen, das kleine Mädchen vor der SS zu verstecken und ihm so das Leben zu retten….

Meine Meinung:

Ich habe bisher viel Literatur über den Holocaust und die Judenverfolgung gelesen, so dass ich sehr gespannt war, wie das Kinderbuch umgesetzt worden ist. Es ist für Leser ab 9 Jahren angedacht und ich muss sagen, die Geschichte ist so kindgerecht erzählt, dass ich es für 9jährige Kinder auf jeden Fall empfehlen kann. Das Buch hat relativ große Schrift und ist mit vielen Bildern versehen, die jedoch nicht düster oder beklemmend wirken. Das Grauen dieser Zeit wird erzählt, ohne allzu detailliert auf die begangenen Grausamkeiten im Einzelnen einzugehen, so dass die jungen Leser beim Lesen keine Angst bekommen, aber durchaus ein Stückweit erfahren, was damals passiert ist.

Ein großes trauriges Stück Zeitgeschichte – für Kinder erzählt. Eine Erinnerung an eine schlimme Zeit und daran, dass es Menschen gegeben hat, die bereit waren, ihr Leben zu riskieren, um ein anderes Leben zu retten….

Mein FAZIT: 10 von 10 Sternen

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier.

Ich bedanke mich herzlich bei der Random House Verlagsgruppe, dass ich dieses Buch lesen durfte.

 

Top Ten Thursday: 10 Bücher, die zur Zeit der Weltkriege spielen

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Der Top Ten Thursday von Steffis Bloggeria ist diese Woche für Bücher mit einem ernsteren Hintergrund vorbehalten: „10 Bücher, die zur Zeit der Weltkriege spielen“.

Das war für mich relativ leicht, denn ich habe mich seit frühster Jugend intensiv mit dem Thema „2. Weltkrieg & Holocaust“ beschäftigt und habe demzufolge entsprechend viel passende Literatur in meinem Regal. Es fiel mir sogar eher schwer, mich für 10 Bücher zu entscheiden.

Hier kommt meine Auswahl:

01. Tatiana de Rosny – Sarahs Schlüssel:

Zu diesem Buch findet Ihr einen Artikel bei meinen Herzensbüchern. Dieses Buch hat mich von allen Büchern, die ich jemals gelesen habe – egal welches Genre – am allermeisten berührt. So sehr, dass ich eine ganze Woche lang kein anderes Buch zur Hand nehmen konnte. Ich kann es Euch wirklich nur ans Herz legen. Und auch der Film ist absolut sehenswert!

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02. Jane Yolen – Chaja heißt Leben:

Das Jugendbuch ist während meiner Schulzeit im Ravensburger Verlag erschienen. Es geht um Hannah, die mit ihrer Familie in den 90iger Jahren das Passahfest feiert. Als sie den Propheten zur Tür hineinlassen will, verändert sich ihre Wirklichkeit und sie lebt plötzlich im Jahr 1942 in Polen…

Eines der großartigsten Jugendbücher zum Thema „Holocaust“. Leider wird es schon seit vielen Jahren nicht mehr verlegt. Ich bin so froh, ein Exemplar dieses Buches mein Eigen nennen zu dürfen!

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03. David Safier – 28 Tage lang

Das Buch habe ich erst vor kurzem gelesen, es ist mir sehr nahe gegangen. Bis dahin war ich von Safir nur unterhaltsame Literatur gewohnt. Meine Rezension zum Buch findet Ihr hier!

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04. Anne Frank – Das Tagebuch der Anne Frank:

Das Buch wird sich sicherlich heute auch noch auf der ein oder anderen Liste finden lassen, ist es doch eines der bekanntesten Bücher zum Thema Holocaust und Krieg.

In Amsterdam hat man die Möglichkeit, das Haus, in dem Anne Frank und ihre Familie versteckt worden sind, zu besichtigen. Das steht auf jeden Fall noch auf meiner Liste von Dingen, die ich machen möchte.

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05. John Boyne – Der Junge im gestreiften Pyjama:

Die Geschichte des Jungen, der im Konzentrationslager auf der anderen Seite vom Zaun lebt und sich mit einem Jungen im Lager anfreundet, geht unter die Haut. Auch von diesem Buch gibt es eine Verfilmung. Ich selbst habe sie allerdings noch nicht gesehen.

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06. Thomas Keanelly – Schindlers Liste

Ich bin immer wieder überrascht, welche Bücher es zur Zeit nicht mehr über die Verlage gibt, sondern nur noch gebraucht. Auch „Schindlers Liste“ fällt darunter. Das Buch ist noch um einiges ausführlicher als der Film (er kam in die Kinos als ich in der 9ten Klasse war und war Pflichtveranstaltung für alle Schüler ab Klasse 9 bei uns).

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07. Hetty E. Verolme – Wir Kinder von Bergen Belsen:

Ein autobiografisches Jugendbuch – erschienen im Beltz Verlag. Es ist in einer Sprache geschrieben, die auch schon für junge Leser verständlich ist. Ein wertvolles Stück Zeitgeschichte!

 

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08. Margot Kleinberger – Transportnummer VIII/1 387 hat überlebt:

Die Geschichte der achtjährigen Margot, die während des Holocaust ihre gesamte Familie verliert, in das Konzentrationslager „Theresienstadt“ deportiert wird – und überlebt.

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09. Judith Kerr – Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Der erste Band der preisgekrönten Jugendbuchtrilogie handelt von Anna und ihrer jüdischen Familie, die 1933 rechtzeitig Deutschland verlässt und in Paris versucht, Fuss zu fassen – nichtsahnend, dass sie auch dort nicht lange sicher sind.

Die weiteren Bände heißen „Warten bis der Frieden kommt“ und „Eine Art Familientreffen“ und sind ebenfalls im Ravensburger Verlag erschienen. Leider werden sie alle zur Zeit nicht mehr verlegt.

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Gudrun Pausewang – Eine Reise im August

Ich weiß noch ganz genau, wie wir ein Exemplar dieses Buches in unserer Schulbücherei erhalten haben (das weiß ich so genau, weil ich sie von der 8. bis zur 10. Klasse geleitet habe und somit die neusten Bücher immer als erste in den Händen halten konnte und in den Pausen nicht rausgehen musste, sondern lesen konnte….)

Wir begleiten das Mädchen Alice auf ihrem Weg in das Konzentrationslager Ausschwitz. Ein Buch, das ebenfalls sehr unter die Haut geht. Wird leider ebenfalls zur Zeit nicht verlegt.

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Ich bin gespannt, welche Bücher ich auf Euren Listen finden werde und freue mich – wie immer – sehr über Eure Kommentare und Anmerkungen.

Viele Grüße

Eure Nicole

Rezension „28 Tage lang“ von David Safier

Zum Inhalt:

Wahrschauer Getto 1942/1943:

Seit dem Selbstmord ihres Vaters ist die 16jährige Mira gezwungen, ihre Mutter und ihre kleine Schwester Hannah durch Schmuggeln von Lebensmitteln vor dem sicheren Hungertod zu bewahren. Das Leben im Ghetto ist lebensgefährlich – jeden Tag verbreitet das SS-Regime neuen Terror und deportiert und tötet zahlreiche Menschen.

Als Mira ihre Familie verliert, ist sie verzweifelt und völlig hoffnungslos und schließt sich schließlich dem jüdischen Widerstand an. Denn wenn sie schon sterben muss, dann wenigstens nicht umsonst. Dort trifft sie Amos, der ihr ein Stück weit Hoffnung zurückgibt. Hoffnung und auch Liebe. Doch wieviel Hoffnung und Liebe bleibt ihnen beim Kampf gegen die übermächtige SS? Ein Unterfangen, das so sehr zum Scheitern verurteilt ist. Doch das Unglaubliche geschieht: es gelingt ihnen 28 Tage lang dem Naziregime zu trotzen….

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Meine Meinung:

David Safier – von dem wir bislang ja eher Heiteres gewohnt sind, hat dieses Buch seinen Großeltern gewidmet, die während des Naziregimes ihr Leben im Konzentrationslager Buchenwald, bzw. im Ghetto von Lodz verloren haben.

Die Geschichte, die aus der Sicht der sechzehnjährigen Mira erzählt wird, ist sehr eng mit der Realität verbunden, obwohl die Person „Mira“ fiktiv ist. Doch viele der Personen, die wir im Buch kennenlernen dürfen, haben tatsächlich zu der Zeit existiert: zum Beispiel Mordechaj Anielewicz – der Anführer der Warschauer Gruppe Hashomer Hatzair und Janusz Korczak, der lieber mit seinen Waisenkindern gemeinsam in den Tod gegangen ist, als sein eigenes Leben zu retten. Und auch den „verrückten“ Rubinstein gab es tatsächlich.

Safier verknüpft spannende Fiktion mit dem tatsächlichen Zeitgeschehen und lässt das Grauen dieser Zeit lebendig werden. Wir begleiten Mira dabei, wie sie unter Lebensgefahr auf der polnischen Seite von Warschau Lebensmittel schmuggelt, wie sie versucht herauszufinden, welche Art Mensch sie sein will. Was ihre Prioritäten sind: eine Heldin sein & sich dem Widerstand anschließen oder ihre Familie beschützen? Man erfährt viel über ihre Gefühle, Gedanken und ihre Ängste.

Natürlich denkt man dann auch zwangsläufig darüber nach: „Was würde ich in der Situation tun?“ Denn das ist die zentrale Frage, die immer wieder im Buch auftaucht: „Was für ein Mensch willst Du sein?“ Eine wichtige Frage, wie ich finde. Eine Frage, die einen sehr zum Nachdenken anregt – auch gerade wieder in der heutigen Zeit, wo Terror und Tod allzu sehr präsent sind.

Ich werde dieses Buch nicht bewerten, denn wie kann ich etwas bewerten, dass tatsächlich geschehen ist, wo so viele Menschen ihr Leben durch Terror und Krieg verloren haben? Das steht mir nicht zu. Ich kann Euch nur mitteilen, was das Buch mit mir gemacht hat: wie sehr es mich bewegt hat, mich zum Nachdenken angeregt hat, mich traurig gemacht hat, mich dazu gebracht hat, mich mit dem Thema „Warschauer Ghetto und Aufstand“ auseinanderzusetzen. Und das hat es in der Tat. Sehr sogar. Das Buch wird mich noch eine ganze Weile nicht loslassen!