Rezension: „Die Krankheitensammlerin“ von Kia Kahawa

Zum Inhalt: Fiona ist ein unglückliches Mädchen Anfang 20. Eigentlich wäre sie total gerne glücklich und zufrieden, doch irgendwie macht ihr das Leben, bzw. ihr Körper immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Zum einen weigert er sich, sich überhaupt in Richtung Wohlfühlgewicht zu bewegen und zum anderen schleppt er sämtliche Krankheiten an, die man überhaupt nicht gebrauchen kann, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion & Depressionen. Das tut ihrem ohnehin schon angeschlagenen Selbstvertrauen natürlich auch nicht wirklich gut. Doch nun soll alles anders werden: an Silvester fasst sie den festen Vorsatz, ihr Leben zum Besseren zu wenden und nimmt ihr Projekt in Angriff…

Meine Meinung:

Zunächst mal zum Cover: Das Cover ist sehr schlicht gehalten und passt ziemlich gut zum Buch, denn Fiona liebt Tee, ganz besonders Matetee (habe ich persönlich noch nie getrunken… muss ich mal ausprobieren, wie der schmeckt).

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, ich habe schnell in die Erzählung hineingefunden. Die Geschichte wird aus der Sicht Fionas erzählt.

Fiona tut mir manches Mal wirklich leid, denn oftmals nimmt sie das Leben sehr schwer und ist dabei sehr, sehr einsam. Ihre Freundschaften beschränken sich auf ihren Internetfreund Thilo und ihren besten Freund Paul, in den sie irgendwie ein wenig verliebt ist.

Als sie Sylvester beschließt, ihr Leben zu verbessern, steht sie vor einem großen Berg an Dingen, die sie in Angriff nehmen möchte, am liebsten gleichzeitig und irgendwie sind es einfach zu viele Dinge auf ihrem Wunschzettel, um das ganz alleine zu wuppen.

Ich fand es ziemlich traurig, dass Fiona so unglaublich einsam ist und ich hätte sie am liebsten an die Hand genommen und ihr ein wenig positive Energie verpasst. Die düstere Stimmung, in der sie sich oft befindet, ist für mich schwer zu fassen und zu begreifen. Für mich ist das Glas immer halb voll. Ich fand es interessant, einen Einblick in Fionas Leben zu bekommen, weil sich ihr Gemütszustand so sehr von meinem unterscheidet. Selbst, wenn ich traurig bin, bin ich nicht annähernd so niedergeschlagen wie Fiona.

Der Stil der Geschichte hat mir gut gefallen, Kia Kahawa kann alltägliche Geschichten so erzählen, dass sie eben nicht mehr alltäglich wirken. Und vielleicht hilft diese Geschichte auch, einen etwas aufmerksameren Blick für Menschen zu entwickeln, denen es vielleicht – aus welchen Gründen auch immer – gerade nicht so gut geht, wie einem selbst.

FAZIT: 8 von 10 Sternen

Ich bedanke mich recht herzlich bei Kia Kahawa für das Rezensionsexemplar. Es hat mir großen Spaß gemacht, Fiona ein Stück ihres Lebens zu begleiten.

Rezension: „Fünf Tage die uns bleiben“ von Julie Lawson Timmer

Zum Inhalt

Mara ist eine erfolgreiche Anwältin, Mutter einer kleinen Adoptivtochter und glücklich verheiratet mit der großen Liebe ihres Lebens. Zuerst schiebt sie es auf den Stress, als sie anfängt, Dinge zu vergessen. Doch es wird nicht schlimmer, im Gegenteil: immer öfter vergisst sie auch sehr wichtige Dinge…

Irgendwann kann Mara es nicht mehr leugnen: irgendetwas stimmt nicht mit ihr. Die Diagnose zieht ihr den Boden unter den Füßen weg: Chorea Huntington. Doch Mara will sich ihr Leben nicht von der Krankheit diktieren lassen, sie beschließt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Treten bestimmte Symptome auf, wird sie ihr Leben selbstbestimmt an ihrem nächsten Geburtstag beenden. In fünf Tagen ist es soweit. Mara beginnt Abschied von ihren Lieben zu nehmen. Doch wie verabschiedet man sich von den Menschen, die man über alles im Leben liebt?

Meine Meinung:

Ich finde es gerade etwas knifflig, meine Meinung zu diesem Buch in Worte zu fassen. Der Schreibstil ist gut, die Geschichte ist flüssig geschrieben, man findet gut in die Geschichte rein. Das Cover ist wunderschön gestaltet.

Es geht im Buch nicht ausschließlich um Mara und ihre Familie, ein zweiter Handlungsstrang handelt von einem jungen Pärchen namens Scott und Laurie, die für ein Jahr ein Kind aus desolaten Familienverhältnissen aufnehmen. Mara und Scott verbindet eine Emailfreundschaft aus einem Forum für Eltern, die ihre Kinder nicht auf natürlichem Weg bekommen haben. Die beiden tauschen sich nachts oft aus.

Mara war vor der Diagnose eine Karrierefrau. 70 Stunden pro Woche im Büro waren keine Seltenheit. Die kleine Lakshmi wird nach der Schule meist von den Großeltern betreut. Mara – immer unabhängig – eine Powerfrau, hat große Probleme damit, sich damit abzufinden, plötzlich sehr oft Hilfe von anderen Menschen zu benötigen. Und bevor es dazu kommt, dass sie tatsächlich wirklich und endgültig auf andere Menschen angewiesen ist – fremdbestimmt – beschließt sie, die Krankheit nicht gewinnen zu lassen und selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden. In den nächsten 5 Tagen organisiert sie, nimmt Abschied von Freunden und Familie, ohne dass diese wissen, dass es ein Abschied ist. Und sie hadert mit ihrer Entscheidung, ob es richtig ist, zu gehen, ihren Mann und ihre kleine, über alles geliebte Tochter jetzt schon zurückzulassen.

Doch so sehr die Geschichte auch ans Herz geht, so grausam das Schicksal ist, das Mara und ihre Familie erwartet– ich bin mit Mara leider nicht wirklich warm geworden und konnte mich kaum in sie hineinversetzen beim Lesen. Es fühlte sich immer irgendwie distanziert an.

FAZIT: 6 von 10 Sternen.

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier auf der Seite von Bastei Lübbe

Rezension: „Wir kennen uns nicht“ von Birgit Rabisch

Zum Inhalt: Lena Löper ist eine erfolgreiche Schriftstellerin gewesen. Und Feministin. Sie veränderte mit ihren Büchern die Welt der Frauen und das allgemeingültige Frauenbild. Zeigte, dass man nicht so sein muss, wie einen das Patriachat haben möchte. Sondern Erfolgreich. Unabhängig. Ihre Meinung und ihre Empfindungen verarbeitete sie in ihrem fiktiven Charakter Lara und wurde damit berühmt. Anderes blieb dabei auf der Strecke. Die Beziehung zu ihrer Tochter Ariane zum Beispiel. Doch nun ist sie alt und ihre Karriere ist längst vorbei. Einsam ist es in ihrem großen Haus geworden.

Verhaltensforscherin Ariane Löper fühlt sich unverstanden. Schon seit ihrer Kindheit hat sie das Gefühl für ihre Mutter, die erfolgreiche Schriftstellerin Lena Löper, niemals gut genug zu sein. Immer nur Klotz am Bein. Ungeliebt. Doch nun bekommt sie selbst ein Kind und immer wieder blitzt die Erinnerung an ihre Mutter auf…

Meine Meinung:

„Wir kennen uns nicht“ – der Titel passt definitiv zu dieser Erzählung. Ariane und Lena – zwei starke Frauen. Eigentlich untrennbar miteinander verbunden und doch durch so viel getrennt.

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: aus der Sicht Lenas, die von jeher das Gefühl hat, keinen Zugang zu ihrer Tochter zu bekommen. Und aus der Sicht Arianes, die als Kind um die Liebe ihrer Mutter kämpfte, bis sie irgendwann beschlossen hat, sich nicht mehr vergeblich abzumühen.

Das Buch hat mich sehr berührt. Jede der beiden Frauen ist so gefangen in ihrer Annahme, dass sie der anderen nichts bedeutet. Und beide interpretieren in jedwede Aussage (die eigentlich nur aus Eigenschutz so schroff und abweisend geäußert werden) sofort eine Ablehnung hinein. Dabei würde eigentlich jede der beiden Frauen sich über ein Zeichen der Zuneigung freuen. Doch keine der Beiden ist bereit, das Risiko einzugehen und mit einer möglichen Zurückweisung zu leben.

Das Buch zeigt deutlich, welche dramatischen Konsequenzen fehlende Kommunikation in Beziehungen haben kann. Und das sich daraus ein Teufelskreis entwickelt, aus dem man nur sehr schwer wieder herausfindet. Zu tief sitzen die Verletzungen und zu weit haben sich der Groll und die Wut entwickelt. Zu groß ist die Angst davor, zurückgewiesen zu werden.

Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, so ein Verhältnis zu einem meiner Kinder zu haben. Oder zu meiner Mutter. Das Buch ist mir nahegegangen, ich konnte es nach den ersten Seiten kaum aus der Hand legen. Der Schreibstil ist offen, ehrlich und direkt. Die Autorin versteht es, die verschiedenen Orte und die Erinnerungen der Protagonisten auf eine anschauliche und lebendige Weise dem Leser nahezubringen.

Weitere Informationen findet Ihr hier auf der Seite vom Duotincta Verlag

Rezension: „Club der letzten Wünsche“ von Tamy Fabienne Tiede

Zum Inhalt: Jesslyn hat es nicht leicht in ihrem Leben gehabt. Ihr Vater hat Selbstmord begangen, die Mutter ist abhängige Alkoholikerin und überlässt Jesslyn weitestgehend sich selbst. Alle Menschen, die Jesslyn mögen könnten, werden von der 19jährigen durch ihre ruppige Art abgeschreckt. Dabei würde Jesslyn so gerne lieben können, doch aus Angst, zurückgewiesen zu werden, lässt sie keine Liebe zu.

Als sie aufgrund akuter Beschwerden ins Krankenhaus muss, ahnt sie nichts Schlimmes. Doch dann bekommt sie die Diagnose „Lungenkrebs – unheilbar“. Die Uhr tickt und diese Nachricht zieht Jesslyn endgültig den Boden unter den Füßen weg. Doch sie ist nicht allein. In Krankenschwester Bonnie und dem süßen Pfleger James findet Jesslyn unerwartet Freunde, die ihr und ihrem Halbbruder Boomer zu Seite stehen….

Meine Meinung:

Ich habe das Buch eben gerade beendet – so vor ca. einer 1 Stunde und ich habe so sehr geweint. Jesslyn ist ein Mensch, den ich die ganze Zeit während des Lesens am liebsten in den Arm genommen hätte. So eine schwere Kindheit und doch – trotz aller Widrigkeiten so eine starke Persönlichkeit. Ich kann verstehen, warum sie Angst davor hat, an andere Menschen ihr Herz zu hängen – zu oft hat sie einen Verlust hinnehmen müssen. Und doch – gerade als ihr Leben endgültig den Bach runterzugehen scheint, findet sie – in der schwersten Zeit ihres Lebens – Menschen, die sie so lieben wie sie ist. Die sie niemals alleine lassen – egal wie schlimm die Situation gerade zu sein scheint.

Ich habe James und ihre Freundin Yuliya, ihren Bruder Boomer und Schwester Bonnie beim Lesen bewundern müssen, denn die Kraft, die alle gemeinsam zusammen haben, um Jesslyn in ihren letzten Wochen ihr Leben so schön wie möglich zu gestalten, für sie da zu sein – egal wie schlecht es einem selber dabei geht, zuzuschauen, wie eine geliebte Person stirbt, die ist einfach überwältigend.

Die Geschichte enthält so viele wunderbare Zitate und Sätze, die mich beim Lesen weinen ließen – gerade auch, weil sie so viel Wahrheit enthalten. Ich werde Euch nicht alle aufzählen, Ihr sollt das Buch ja lesen (das solltet Ihr in der Tat!!!), aber ein Zitat teile ich mit Euch:

Zitat James: „Ich bereue nichts. Niemals. Das Leben ist zu kurz, um irgendetwas zu bedauern“ – Seite 199

Mein Fazit:

Das Buch geht unter die Haut – tief, sehr tief. Es lässt Euch weinen, es lässt Euch lächeln, es lässt Euch einen Blick darauf werfen, was Liebe ist, was Liebe tut, es zeigt Euch, worauf es in Eurem Leben ankommt. Das Leben ist kostbar, genießt es, seid glücklich. Egal, wieviel Zeit Euch noch bleibt!

10 von 10 Sternen!

Ich bedanke mich von ganzem Herzen beim Piper Verlag für das Rezensionsexemplar. Danke, dass ich dieses wunderbare Buch lesen durfte!

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier.

Rezension: „Überleben ist ein guter Anfang“ von Andrea Ulmer

Zum Inhalt: Anja hat Brustkrebs – unheilbar. Und sie kommt mit der Situation nicht besonders gut zurecht. Da überredet ihr Mann sie, zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen. Eine Selbsthilfegruppe ist total unnötig, findet Anja. Aber gut, sie tut ihm den Gefallen. Doch womit sie nicht rechnet: die Selbsthilfegruppe ist nicht das, was sie sich vorstellt. Es ist eine Gruppe von Freundinnen, die leben wollen. Ganz besonders die 83jährige Sieglinde, die unbedingt noch eine Weltreise machen will. Doch kurz bevor sie das Vorhaben in die Tat umsetzten kann, stirbt sie und hinterlässt ihren Freundinnen die Mittel, um an ihrer statt die Weltreise zu machen. Die fünf Frauen beschließen, Sieglinde ihren letzten Wunsch zu erfüllen….

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Meine Meinung:

Die Geschichte, die die Autorin ihrer 2015 an Brustkrebs verstorbenen Mutter widmet, geht unter die Haut. Fünf unterschiedliche Frauen, die eigentlich nichts mehr zu verlieren haben – denn ihr Leben hängt in jeder Minute am seidenen Faden. Aber dennoch haben sie viel zu gewinnen. Sie erfüllen Siglindes letzten Wunsch und treten die Reise an: das kostet Mut und Selbstvertrauen und doch nehmen die Freundinnen die Herausforderung an. Und die Reise verändert sie: sie finden zu sich selbst, sie machen die Welt auf ihre Weise ein Stückchen besser, sie entdecken, wie viel wert Freundschaft und Liebe ist. Und dass sie trotz der Diagnose und der unbeständigen Lebensprognose ein Recht darauf haben, glücklich zu sein und aus jeder verdammten Minute ihres Lebens das Beste machen können. Denn das haben sie verdient!

Ein Buch, das einem beim Lesen zeigt, worauf es wirklich ankommt im Leben, auch wenn es manchmal traurig ist.

FAZIT: 7 von 10 Sternen

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier auf der Seite von den  Ullstein Buchverlagen

Rezension: „Mit nackten Händen“ von Simonetta Greggio

Zum Inhalt: Emma ist Anfang 40 und immer noch nicht über die Trennung ihrer großen Liebe weg. Seit Raphael sie vor 15 Jahren für ihre Freundin Micol verließ, hat sie sich zurückgezogen. Sie hat Paris verlassen, arbeitet in einem abgelegenen Dorf als Landtierärztin.

Eines Tages steht Gio vor ihrer Tür, der 15jährige Sohn von Raphael und Micol. Er ist abgehauen von Zuhause. Emma lässt ihn bei sich wohnen, ohne einen Hintergedanken. Doch der Sommer, den die beiden zusammenverbringen, verändert beide…. durch die Liebe, die sich zwischen ihnen entwickelt….

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Meine Meinung:

Hmmm, knifflig diese Rezension. Denn ich habe mir nach Lektüre vom Klappentext doch ein wenig etwas Anderes versprochen, als ich dann letztendlich im Buch vorgefunden habe.

Der Schreibstil ist ziemlich poetisch, die Autorin kann wunderbar schreiben, soviel steht fest.

Dennoch wurden meine Erwartungen nicht erfüllt, denn ich fand die Geschichte sehr verwirrend mit vielen Zeitsprüngen. Die Geschichte ist aus der Sicht von Emma erzählt, die sehr mit ihrer Vergangenheit hadert und beim Lesen einen sehr unglücklichen Eindruck macht. Sie treibt eigentlich nur vor sich hin, wirkliche Pläne und Ziele im Leben sind nicht klar erkennbar. In die Sache mit Gio rutscht sie mehr oder weniger hinein. Und das ist eigentlich auch mein großer Kritikpunkt an der Geschichte: denn gerade der Teil zwischen Gio und Emma bekommt meines Erachtens nach viel zu wenig Aufmerksamkeit. Ich kann nicht genau sagen, wann die Beziehung der Beiden überhaupt begonnen hat und auch von den Gefühlen zwischen ihnen habe ich beim Lesen nicht viel gespürt. Dafür war mir die Vergangenheit Emmas viel zu präsent. Das Vorher und Nachher, nachdem die Beziehung zwischen Gio und Emma öffentlich wurde, nimmt in dem doch sehr kurzen Buch (155 Seiten) sehr viel Raum ein. Der Epilog dagegen ist wieder wunderbar und hat mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert.

Für mich persönlich hätte man aus der Geschichte viel mehr machen können. Für die Thematik ist sie einfach zu kurz, die Dinge, die mir persönlich wichtig waren, waren für mein Lesevergnügen einfach zu wenig vorhanden

FAZIT: 5 von 10 Sternen

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier auf der Seite von der Random Haus Verlagsgruppe

Rezension: „Chocolat“ von Joanne Harris

Zum Inhalt:

Vianne Rocher ist noch nie sesshaft gewesen, immer wieder wechselt sie zusammen mit ihrer kleinen Tochter Anouk den Wohnort, niemals bleiben sie irgendwo länger… Nun sind sie in dem kleinen französischen Städchen Lansquenet-sous-Tannes gelandet. Vielleicht könnten sie hier endlich ein Heim gründen und bleiben. Vianne eröffnet eine Chocolaterie – einen himmlischen Laden mit wunderbaren Schokoladenkreationen genau zur Fastenzeit – und genau gegenüber der Kirche.

Das ist ein Affront für den Geistlichen des Dorfes Pater Reynaud und seine getreuen Schäfchen. Sie beschließen, Vianne das Leben so schwer wie möglich zu machen. Als dann auch noch Zigeuner am Fluss anlegen, scheint das Dorf endgültig dem Laster geweiht….

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Meine Meinung:

Ich habe vor Jahren bereits die Romanverfilmung gesehen – mit Johnny Depp und Juliette Binoche in den Hauptrollen. Deswegen stand das Buch lange, lange Zeit ungelesen im Regal. Doch da es für eine Challenge ausgesucht wurde, habe ich es nun endlich gelesen.

Ich tue mich meist sehr schwer damit, Bücher zu lesen, wenn ich den Film bereits gesehen habe. Das war dieses Mal auch nicht anders. Aber nun habe ich es ja endlich geschafft….

Die Geschichte wird in zwei Perspektiven erzählt: einmal aus der Sicht von Vianne. Einer Frau Ende 20, alleinerziehend, ihr ganzes Leben unterwegs, niemals sesshaft. Schon ihre Mutter ist mit ihr von Ort zu Ort gezogen. Sie spürt intuitiv, was ihre Kunden brauchen und sie glücklich macht. Und sie hat das Herz am rechten Fleck und ist stets von einem kaum spürbaren Hauch Magie umgeben. Sie schert sich einen Teufel um Konventionen und Zwänge. Das Einzige, das zählt ist das man glücklich ist. Welch wahre Worte in diesem Buch.

Die zweite Erzählperspektive ist aus der Sicht von Pater Reynaud – und ganz ehrlich, ich glaube, der Typ hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Er wirkt so düster, so verbohrt in seinem ganzen Dasein.

Überhaupt sind ein großer Teil der Dorfbewohner so unfassbar bigott, so intolerant und so engstirnig, das ich beim Lesen manchmal einfach nur fassungslos den Kopf schütteln konnte….

Doch nicht alle Bewohner sind so, nein, es gibt auch Menschen, die das Leben im Dorf lebenswert machen: z.B.  die 80jährige Armande, die seit Jahren Trauer trägt, aber ein Faible für bunte Unterwäsche hat und allen Menschen im Dorf die Stirn bietet oder Guillaume, dessen einziger Freund bisher sein Hund war. Oder Josephine, die es mit Viannes Hilfe endlich schafft, sich von ihrem gewalttätigen Mann zu trennen. Diese Menschen finden durch Vianne und ihrer Chocolaterie zusammen und machen das Miteinander im Dorf zu einem Besseren.

Die einzigen Kritikpunkte, die ich anbringen könnte, ist die stellenweise Langatmigkeit (meist bei den Erzählungen aus der Sicht des Paters – mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass ich ihn überhaupt nicht mochte) und das ich ab und an mit den vielen verschiedenen Personen durcheinander gekommen bin. Aber das ist – wie immer – meine persönlich Meinung und muss nicht zwangsläufig jedem Leser so gehen.

Ein Roman über Freundschaft, Veränderung, Toleranz mit einem kleinen Hauch Magie…

FAZIT: 7 von 10 Sternen

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier auf der Seite vom Ullstein Verlag

Rezension: „Vielleicht morgen“ von Guillaume Musso

Zum Inhalt: Seit dem Unfalltod seiner Frau hat der Philosophieprofessor Matthew keine Freude mehr in seinem Leben. Es erscheint ihm sinnlos. Nur fünf Jahre Glück und Erinnerungen sind ihm von seiner geliebten Kate geblieben. Das Einzige, was ihn aufrecht hält, ist ihre gemeinsame Tochter.

Emma ist einsam und unglücklich, seit sie sich von ihrer letzten Liebe – einem verheirateten Mann – getrennt hat. Ihr Job als Sommelière im weltberühmten Restaurant „Imperator“ ist zur Zeit die einzige Konstante in ihm Leben.

Eines Tages bekommt sie eine Email von einem gewissen Professor Matthew Shapiro, der behauptet, ihren Laptop erworben zu haben. Doch wie kann das sein? Schließlich liest sie die Email ja gerade auf ihrem Laptop…. Emma ist verwirrt, doch sie antwortet dem netten Professor, nichtsahnend, dass sie damit den Stein in Rollen bringt, der ihrer beiden Leben auf magische Weise verändern wird….

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Meine Meinung:

Das wird jetzt wirklich knifflig, denn um meine eigene Meinung zu formulieren, müsste ich natürlich aus dem Nähkästchen plaudern. Das werde ich nicht tun, denn dann würde ich Euch auch den Moment verraten müssen, bei dem ich eine Gänsehaut bekommen habe und der mich die Geschichte atemlos weiterlesen lies. Nein, nein, das nehme ich Euch nicht vorweg …..

Also, kurz gesagt, der Schreibstil ist – wie immer bei Guillaumo Musso – faszinierend, flüssig, die Charaktere sind detailliert gezeichnet, das ganze Drumherum ist für mich stimmig und natürlich ist die Geschichte – typisch Musso – anders. Sie ist unmöglich wahr (oder vielleicht doch?), magisch, unglaublich und doch so berührend. Und spannend mit vielen Thriller-Elementen. Ich liebe seine Bücher und einmal begonnen, kann ich sie nicht aus der Hand legen. Egal, welches ich bisher gelesen, es war fantastisch.

Bezaubernd finde ich, dass jedes Kapitel mit einem Zitat beginnt – passend zum jeweiligen Kapitel. Viele weise Worte, die dazu einladen, sie einen Moment auf sich wirken zu lassen und darüber nachzudenken.

Ich weiß, dass es – gerade bei diesem Buch – auch die ein oder andere Rezension gibt, die bemerkt, dass die Geschichte surreal und unrealistisch ist. Klar, ist sie, aber das ist jede Geschichte von Musso auf die ein oder andere Art und genau das macht den Reiz seiner Geschichten aus. Das Spielen mit Dingen, die wir nicht sehen können, die uns Menschen unbegreiflich sind und die unmöglich passieren können. Aber macht Euch doch einfach ein eigenes Bild von diesem – meiner Meinung nach – wundervollen Buch!

Also, ganz klar:

10 von 10 Sterne!

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier auf der Seite vom Piper Verlag!

Rezension: „Die Perlenfrauen“ von Katie Agnew

Sophia, eine junge Frau Anfang 30, lebt mit drei Freunden in einem heruntergekommenen Haus in London – ohne jede berufliche Perspektive. Eigentlich ein Leben, dass sich bei Sophias Geburt niemand hätte vorstellen können. Schließlich ist sie die Enkeltochter der weltberühmten Schauspielerin und Aristokratin Tilly Beaumont.

Doch Sophias Kindheit stand unter keinem guten Stern. Von ihren Eltern bekam sie niemals irgendwelche Aufmerksamkeit. Ja, Sophia hatte sogar oftmals das Gefühl, sie würden sie regelrecht hassen. Also wurde sie rebellisch und schließlich aus der Familie verstoßen.

Nur ihre Großmutter schien Sophia noch in Liebe verbunden, doch irgendwann schämt sich Sophia zu sehr und bricht letztendlich auch den Kontakt zu ihrer Großmutter ab.

Eines Tages im Jahr 2012 bekommt sie plötzlich von ihrer unheilbar an Krebs erkrankten Großmutter einen Brief, in dem die alte Dame sie bittet, nach einem wertvollen Perlencollier zu suchen, dass sie einst kurz nach dem zweiten Weltkrieg von ihrem Vater bekommen hat und das seit vielen Jahren verschwunden zu sein scheint.

Gemeinsam mit ihrem besten Freund Hugo fängt Sophia an, nach dem Collier zu forschen und kommt einem großen Familiengeheimnis auf die Spur….

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Meine Meinung:

Wow! Was für ein Buch!  Ich war nach dem Lesen der ersten paar Seiten zuerst ein wenig skeptisch, ob mir die Geschichte überhaupt gefallen würde. War mir Sophia doch am Anfang sehr unsympathisch. Sie wirkte wie eine verwöhnte Göre, die ohne einen Funken Verstand in den Tag hineinlebt und keinerlei Ziele und Perspektiven hat. Doch ich musste diese, doch etwas garstige Einschätzung ziemlich schnell revidieren. Denn Sophia hat das Herz auf dem rechten Fleck und legt sich sehr ins Zeug, um ihrer Großmutter ihren letzten Wunsch zu erfüllen.

Die Geschichte spielt in verschiedenen Zeiten, die jedoch gut auseinanderzuhalten sind: Zum einen ist da der Hauptzeitstrang im Jahr 2012, in dem sich Sophia wieder ihrer Familie annähert und sich auf die Suche nach der Perlenkette begibt, dann führt uns Katie Agnew zurück in die Vergangenheit in Tillys Kindheit. Es gibt auch noch weitere Protagonisten und zwei weitere Handlungsstränge, über die ich Euch jetzt aber nichts verraten möchte, denn das würde der Geschichte einen Teil des Zaubers nehmen, den sie innehat.

Der Schreibstil hat mir persönlich gut gefallen, er lässt sich sehr gut lesen, ich habe ziemlich schnell in die Geschichte hineingefunden und konnte schon nach den ersten 70 Seiten das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Die Autorin nimmt uns in einer wunderbaren klaren Sprache mit auf eine bildreiche Reise an andere Orte und in andere Zeiten. Für Fans von geheimnisvollen Familiengeschichten ist das Buch auf jeden Fall ein absolutes Highlight!

FAZIT: 8 von 10 Sternen!

Ein herzliches Dankeschön an den Heyne Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dieses wunderbare Buch lesen zu dürfen.

Weitere Infos zum Buch findet Ihr hier!

Rezension: „Das Glück der fast perfekten Tage“ von Fioly Bocca

Zum Inhalt: Anita hat es nicht leicht zur Zeit: ihre Mutter ist an Krebs erkrankt. Als sie erfährt, dass ihr nur noch wenig gemeinsame Zeit bleibt, beginnt sie, ihrer Mutter jeden Abend eine Email zu schreiben, in der sie ihr von ihrem glücklichen Leben erzählt. Doch das ist gelogen: ihre Karriere stagniert, ihre Beziehung zu ihrem langjährigen Freund ist merklich abgekühlt. Doch Anita möchte ihrer Mutter den Abschied leichter machen.

Auf der Rückfahrt nach einem Besuch bei ihrer Mutter trifft sie im Zug auf den Geschichtenerzähler Arun, einem jungen Mann, der ihr zuhört und der ihr zeigt, dass das Leben trotz aller Traurigkeit doch noch Wunderbares für sie bereithalten kann…

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Meine Meinung:

Der relativ kurze Roman (183 Seiten) besticht schon auf dem ersten Blick mit seinem wunderschönen filigranen Buchcover und der wunderbar lyrischen Sprache. Die einzelnen Kapitel sind mit wunderschönen Bildern versehen, ein richtiger Blickfang. Der Schreibstil ist sehr gefühlvoll und man findet sehr schnell in die Geschichte hinein.

Es besteht vom ersten Moment an eine tiefe Faszination zwischen Arun und Anita. Arun geht so liebevoll mit Anita um, seine Zuneigung für sie ist auf jeder Seite spürbar. Doch nach dem Tod ihrer Mutter hat Anita das Gefühl, Arun hat sie angelogen und zieht sich zurück. In diesem Moment hat sie das Gefühl, ihr komplettes Leben verloren zu haben. Als sie die schlimmste Trauer überwunden hat, nimmt sie sich ein Herz und fragt endlich nach, was an der Information, die ihr zugetragen wurde überhaupt dran ist und erfährt, es war alles nur ein Irrtum. Jetzt muss sie ihr Glück selber in die Hand nehmen und das tut sie schließlich auch.

Dank Arun gelingt es Anita letztendlich, ihr Leben zu verändern und trotz des Verlustes ihrer Mutter wieder Glück zu empfinden und zuzulassen.

Ich habe mich beim Lesen gefragt, wie Anitas Leben verlaufen wäre, wenn sie Arun nicht begegnet wäre und ob sie ihm dann nicht doch irgendwann begegnet wäre. Denn ich persönlich glaube nicht an Zufall, sondern an Schicksal.

Für mich war die Geschichte einfach ein wenig zu kurz, ich hätte Anita und Arun gerne noch etwas näher kennengelernt und sie ein Stück begleitet.

Ein wunderbares Buch für Leser, die Märchen, Geschichten und die Liebe lieben.

FAZIT: 7 von 10 Sternen

Weitere Informationen zum Buch findet Ihr hier auf der Seite vom Rowohlt Verlag